
Schwerpunkte
Ich forsche zur europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert. Besonders interessiere ich mich für die Zeitgeschichte Nordeuropas und die Gewalt-, Kultur- und Popgeschichte dieser Region. Darüber hinaus befasse ich mich mit Fragen der Geschichtsvermittlung und Public History im öffentlich-digitalen Raum. Meine Forschungen haben mich bislang in mehr als dreißig Archive rund um den Globus geführt.
Aktuelles Forschungsprojekt
Sicherheitsdynamiken des Pop
Eine Kulturgeschichte der Versicherheitlichung von Popmusik in der Bundesrepublik 1955-67
Wer an Popmusik denkt, assoziiert damit in aller Regel Zerstreuung und Unterhaltung, ausschweifende Konzerte und rhythmische Tanzbewegungen, kaum Bedrohungsszenarien und Sicherheitsdiskurse. Dennoch ist Popmusik fast schon untrennbar mit dem Narrativ der Unsicherheit verbunden, wie die zeitgenössische gesellschaftliche Wahrnehmung und Markierung von Rock’n’Roll und Beat zeigt. Egal ob Elvis, Bill Haley, die Beatles oder die Rolling Stones, sie alle wurden in unterschiedlichem Ausmaß als Bedrohung der überkommenen Normen und Werte der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft verstanden. In meinem aktuellen Buch verstehe ich Popmusik als kulturelle Praxis und untersuche anhand von Soundbeispielen, Songtexten und Modeerscheinungen, wie Popkultur zu unterschiedlichen Zeiten von unterschiedlichen Akteuren aus unterschiedlichen Gründen versicherheitlicht wurde.

Es geht um die Wahrnehmung, Markierung und Konstruktion von Popmusik als Sicherheitsphänomen. Popmusik verstehe ich dabei als kulturelle Praxis, die »gemacht« werden musste, worunter der Sound, die Texte, das Verhalten sowie das Erscheinungsbild von pop-affinen Akteuren zu verstehen ist.
Popmusik noch nicht den favorisierten Sound des Mainstreams abbildete und in der die neue Musik eine vermeintlich generationelle Grenzlinie markierte. Während Anhänger*innen des Popsounds hierin eine Identifikationsmöglichkeit zur Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und anderen Gleichaltrigen erblickten, erhoben ihn dessen Kritiker*innen zum Sicherheitsthema.
Nur wer die Geschichte des »Pop« kenne, sei »in der Lage, das 20. Jahrhundert zu verstehen« – mit diesem Diktum unterstrich der Historiker Thomas Lindenberger schon vor 15 Jahren die Bedeutung von Pop(musik) für die Zeitgeschichte. Diesem Verständnis von Popgeschichte als Zeitgeschichte fühlt sich auch das vorliegende Buch verpflichtet. Einer pophistorische Sicherheitsforschung ermöglicht es uns, popkulturelle Praktiken als Gradmesser für gesellschaftliche Liberalität, politische Kultur sowie vorherrschende Normen und Werte zu interpretieren.
Die zentrale These des Buches lautet, dass die kulturelle Praxis der Popmusik nicht als Komposition zu einem Sicherheitsproblem wurde, sondern durch die Interpretation derselben. Und als solche können sie abhängig von dem jeweiligen Standpunkt variieren, einander ergänzen oder sogar im krassen Widerspruch zueinander stehen. Erst in der Gleichzeitigkeit von Anpassung und Rebellion, Individualität und Vergemeinschaftung, Abgrenzung und Vereinnahmung, entfalten popkulturelle Praktiken ihre Dynamiken und Temporalitäten.
Weitere Forschungsprojekte
Der »Gegenterror« in Dänemark
Radikalisierung der NS-Herrschaft im besetzten Dänemark zwischen 1940 und 1945
Beschreibung folgt.

Geschichte im digitalen Raum
Wahrnehmung und Bedeutung von digital erlebter Geschichte auf Social Media und in Video Games
Beschreibung folgt.